Erdoğan Not Welcome

Erdoğan Not Welcome

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist auf Staatsbesuch in der deutschen Hauptstadt. Auf den Straßen Berlins wollten sich heute siebentausend Menschen nicht damit abfinden. Sie zogen unter dem Motto „Erdoğan Not Welcome“ durch die Innenstadt.

Die Demonstration begann am Potsdamer Platz:

Bei meiner Ankunft sind bereits alle umliegenden Straßen gesperrt und vor dem überdimensionierten Bahnhofseingang stehen hunderte Protest-Teilnehmer*innen versammelt: „Hoch die internationale Solidarität!“ – aus den Reihen der kurdischen Gemeinschaft Berlins ertönt in regelmäßigen Abständen die Forderung nach einem Wir-Gefühl über die Landesgrenzen hinweg. Vor der Kulisse emporragender Bürotürme steht der Lautsprecher-Wagen: „Wir werden immer wieder deutlich machen müssen: Dieser Verbrecher, der hier von Merkel und Steinmeier empfangen wurde, dieser Verbrecher ist hier nicht willkommen!“, heißt es von dort.

Über den Köpfen der Leute wehen unzählige Flaggen der am Protest beteiligten Organisationen. Auf einem großen weißen Banner steht die „Türkische Demokratie“ symbolisch hinter Gittern und wird von zwei ‚Häftlingen‘ in schwarz weiß gestreiften Oberteilen hochgehalten. Auf der Potsdamer Straße bereiten sich einige Frauen darauf vor, an der Spitze des Protestzuges zu laufen. „Keine Deals mit Erdoğan! Rüstungsexporte stoppen, Efrîn verteidigen!“, steht auf ihrem Banner geschrieben. Sie werden es von hier aus bis zur Siegessäule tragen. Vor ihnen fahren nur der Lautsprecherwagen und ein Styropor-Panzer, der die Rüstungsdeals zwischen Deutschland und der Türkei symbolisiert. 

Die Laufstrecke führte die allmählich wachsende Menschenmenge entlang der Potsdamer Straße in Richtung Schöneberg. Weiter ging es über die Kurfürstenstraße bis in den Tiergarten, wo die Demonstration mit einer Schlusskundgebung endete. Von der Siegessäule aus war es nicht weit bis zum Schloss Bellevue, wo der türkische Präsident zur selben Zeit vom deutschen Bundespräsidenten zu einem Staatsbankett empfangen wurde.

Mein Fazit des Tages: Es tat gut, die Berliner Zivilgesellschaft heute so stark vertreten zu sehen. Und doch bleibt in mir die große Enttäuschung darüber zurück, dass mit Recep Tayyip Erdoğan ein Staatsoberhaupt in dieser Stadt empfangen wird, das Menschenrechte mit Füßen tritt. Das ist und bleibt eine Schande.

Hoch die internationale Solidarität!

Alle Eckdaten zu anstehenden Demonstrationen findest du hier. Ich hoffe, dass man sich bei Twitter wiedersieht: @spreedemoblog.

Text und Fotos: Henry Schwietzke