Soli-Demo Hambacher Forst

Soli-Demo Hambacher Forst

Im Hambacher Forst demonstrierten heute 50.000 Menschen gegen die Rodung des Waldes durch den Energiekonzern RWE. Die Großdemo erfuhr Unterstützung durch solidarische Protestaktionen im gesamten Bundesgebiet. In Berlin folgten etwa 400 Teilnehmer*innen dem Ruf einer Umweltaktivistin und zogen auf der Karl-Marx-Straße durch den Neuköllner Norden.

Und so verlief der Nachmittag:

Auf dem Richardplatz steht ein großer Transporter, außen mit Bannern behangen, innen mit bester Soundtechnik bestückt, und wartet auf seinen Einsatz. Die Aufschrift „Hambi Bleibt!“ versichert mir, dass ich hier richtig bin. „Kiwi Habibi“ zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich stelle mich dem Fahrer vor und lasse ihn wissen, dass ich gerne ein paar Fotos machen würde. „Da wendest du dich am besten an meine Schwester, die hat das hier organisiert.“. „Wow“, denke ich und folge ihm zur Rückseite des Transporters. Beeindruckt vom Engagement der Umweltaktivistin stürze ich mich nach einem kurzen Gespräch ins Geschehen.

Mit circa 150 Menschen ist der Platz allmählich gefüllt. Drüben schaukelt eine der jüngsten Teilnehmer*innen in einer Hängematte und neben ihr läuft die Banner-Werkstatt auf Hochtouren. In einer anderen Ecke weht eine Flagge der „Antifaschistischen Aktion“. Es sind auch immer mehr Schilder zu sehen als schließlich ein Mikro eingeschaltet wird: „Wir sind heute hier, um uns mit den Menschen, den Tieren und den Bäumen und der ganzen Bewegung im Hambacher Forst zu solidarisieren. Aber vor allen Dingen sind wir auch hier, weil das, was im Hambacher Forst passiert, überall passiert. Der Staat schützt mit Hilfe der Polizei die Privatinteressen von RWE und es ist ihnen scheißegal, dass wir alle dagegen sind und dass auch Braunkohle schon lange vorbei ist und dass sie für uns keine Zukunft hat.“, heißt es von der Organisatorin.

Nach der Auftaktrede wird es laut: Mehrere DJs sind vor Ort, um vom Transporter aus für Aufmerksamkeit zu sorgen. Zügig macht sich der Demozug auf in Richtung Karl-Marx-Straße, ein Transporter mit begrüntem Dach und eine wachsende Menge von Menschen, die nicht hinnehmen wollen, dass der Hambacher Forst zugunsten privater Interessen vernichtet werden soll.

„What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“, schallt es aus der Menge durch den Kiez. Am U-Bahnhof Rathaus Neukölln stoppt der Protestzug für einen weiteren Redebeitrag. Der Redner steht im Laderaum des Transporters, vor ihm das Logo von ‚Kiwi Habibi‘, und fasst zusammen: „Wir haben es satt, dass unserem Protest Polizist*innen gegenüber gestellt werden, Politiker*innen uns als gewaltbreite Staatsfeinde pauschalisieren und der Dialog mit der Politik untergeht. Aus diesen Gründen wollen wir den Protest aus dem Hambacher Forst in die Stadt bringen, wo ein Großteil der Mitverantwortlichen sitzt.“.

Angespornt von dieser Rede kommen Sprechchöre auf: „Hambi bleibt“ Hambi bleibt!“, rufen die mittlerweile etwa 400 Teilnehmer*innen in Richtung Hermannplatz. Die Musik wird wieder hochgeregelt und es geht weiter bis zum Spreewaldplatz. Hier endet die Demonstration mit einer Schlusskundgebung.

Mein Fazit des Tages: Eine Demo anzumelden und zu planen ist kein Hexenwerk. Den Beweis dafür lieferte heute eine Umweltaktivistin, die sich für ihre Belange stark gemacht hat und damit erfolgreich war. Die Berliner Zivilgesellschaft hat einmal mehr bewiesen was sie kann – ich wünsche mir, dass sie es wieder und wieder tut!

Alle Eckdaten zu bevorstehenden Demonstrationen findest du hier.

Text und Fotos: Henry Schwietzke