Klima schützen – Kohle stoppen

Klima schützen – Kohle stoppen

16.000 Berliner_innen demonstrierten gestern auf der Klima-Kohle-Demo für den Kohleausstieg unter dem Motto „Klima schützen – Kohle stoppen“. Anlass war der Weltklimagipfel im polnischen Kattowitz, bei dem über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens verhandelt wird, während die Kohle-Kommission in Berlin entscheidet, ob Deutschland seine Versprechen wahr macht und aus der Kohle aussteigt.

Aufgerufen haben zu der Demonstration, die zeitgleich in Berlin und Köln stattfand, zahlreiche Organisationen, unter anderem Brot für die Welt, Greenpeace, WWF und Avaaz. 20.000 Demonstrant_innen waren es in Köln.

Und so verlief der Nachmittag: Etwas verspätet treffe ich auf der Otto-von-Bismarck-Allee ein. Reichlich Infostände sind auf der Straße aufgebaut. Gegen Spenden können Demonstrant_innen hier Fahnen und Schilder mit der Aufschrift „Kohle stoppen!“ erwerben. Nach einer halben Stunde setzt sich der Menschenzug in Bewegung. Die Demoroute verläuft über die Kronprinzenbrücke, Kapelle-Ufer, Reinhardtstraße, Friedrichstraße, Dorotheenstraße, Scheidemannstraße, Heinrich-von-Gagern-Straße bis zur Paul-Löbe-Allee am Kanzleramt.

Ich schließe mich einem Musikwagen der BUNDjugend – Young friends of the earth an. Vor mir läuft ein völlig schwarz gekleideter Mann mit schwarzem Regenschirm und einem ebenfalls schwarzen Wagen hinter sich her ziehend. Er selbst und der Wagen sind beklebt mit vielen Sprüchen. Ich lese „Hambi bleibt!“ oder „No dying of the woods!“. Auf seinem Rücken klebt der Schriftzug: „Feinstaub für die Lungen unserer Kinder, was soll das???”. Auch das Gesicht des Mannes ist schwarz bemalt, als wäre es mit Kohle verschmiert.

Die BUNDjugend bietet während des Demonstrationszugs ein breites Programm: Selbst gedichtete Lieder und jedem bekannte Hits wie „Dancehall Caballeros“ von Seeed und „Don`t stop me now“ von Queen. Als die Melodie von „Bella ciao“ ertönt, wundere ich mich, da die Thematik des Liedes nicht zum Anlass der Demonstration passt. Doch dann fangen die Sprecher_innen der BUNDjugend an, ihren selbst gedichteten Text zu singen: „Wir wollen kein Klimawandel. Bagger ciao, Bagger ciao, Bagger ciao ciao ciao. Denn wir wollen kein Klimawandel. Wir woll`n den Wandel des Systems!“. Manche singen mit, andere tanzen. Die Stimmung unter den Teilnehmer_innen ist fröhlich und ausgelassen und auch ich habe viel Spaß. Unter der Melodie von „Hejo, spann den Wagen an“ singen die Sprecher_innen später noch „Wehrt euch! Leistet Widerstand! Gegen die Braunkohle hier im Land. Wir gehen auf die Straße, wir gehen auf die Straße. Wehrt euch …“.

Ich sehe viele mir bekannte Gesichter. Freunde, alte Grundschulbekannte und solche, die ich immer auf Demonstrationen sehe. Über mir schweben zwei große Ballons. Beide stellen die Erde dar und tragen die Aufschrift „Klima retten! Kohle stoppen!“. Die eine ist, wie man sie kennt, blau und grün. Die andere jedoch schwarz und rot, um einen verbrannten, unter der Erderwärmung leidenden Globus darzustellen.

Ich treffe erneut auf zwei Aktivisten von Bewegt Politik – campact!, die ich schon zu Beginn der Demo gesehen hatte. Sie halten ein Banner mit der Aufschrift „Wetterchaos verhindern, Kohleausstieg jetzt!“. Der eine ist verkleidet als graue Wolke mit einem Blitz, der andere als verkohlter und abgebrannter Baum. Viele bleiben stehen, um Fotos zu machen.

Als wir gegen 14:45 Uhr die Paul-Löbe-Allee am Kanzleramt erreichen und damit das Ende des Demonstrationszugs, spielt gerade das Berlin Boom Orchester Reggae-Songs auf der Bühne. Links von der Bühne ist ein großer, grüner Ballon von Greenpeace. Und nicht zu übersehen steht dort eine riesige Erde, auf der ein Kohlewerk abgebildet ist, welches dicken dunklen Rauch in die Luft lässt. Innerhalb des Rauches sehe ich Angela Merkels Gesicht.

Nachdem das Berlin Boom Orchester seinen letzten Song gespielt hat, beginnt Jennifer Morgan, Leiterin von Greenpeace, mit ihrer Rede. „Ihr erinnert euch an den Hitzesommer 2018. Die Sonne brennt, die Landwirtschaft beklagt Ernteausfälle in Milliardenhöhe. […] Mir ist da klar geworden, dass der Hitzesommer 2018 ein Wendepunkt war. Weil der Klimawandel vor der eigenen Haustür angekommen ist!“. Weiter erzählt sie im amerikanischen Akzent: „Drei Bauernfamilien in Deutschland haben zusammen mit Greenpeace gegen die Bundesregierung geklagt. Eine ganz normale Familie gegen eine Regierung! Ich finde das großartig!“. Sie sagt, sie spüre, dass sich etwas ändert, da „wir die Menschlichkeit und Gerechtigkeit auf unserer Seite haben!“. „Es kann nicht sein, dass reiche Industriestaaten die Atmosphäre mit ihrer Emission vollpusten, sodass Millionen Bürger ärmerer Staaten darunter leiden. Derzeit sind eine viertel Millionen Klimavertriebene auf der Flucht!“. Zum Ende ihrer Rede wendet sie sich direkt an die Bundeskanzlerin: „Frau Merkel, stellen Sie die Weichen für einen Kohleausstieg. Wir brauchen eine Kohlepolitik, die uns, unsere Kinder und Enkelkinder vor Klimaextremen schützt und uns den Hambacher Wald erhält!“. Von viel Applaus und Jubel begleitet verlässt sie die Bühne.

In meinen Augen war die Demonstration ein voller Erfolg. Es waren viele zivilgesellschaftliche Organisationen vertreten und zahlreiche namenhafte Umweltaktivist_innen haben gesprochen. Es wurden viele wichtige Dinge gesagt und alles verlief friedlich. Ich war überrascht, dass zur Endkundgebung eine große Bühne aufgebaut wurde und zur Auftaktkundgebung Informationsstände, bei denen man sich in E-Mail-Listen eintragen konnte oder Infobroschüren erhalten konnte. Dennoch habe ich erwartet, dass mehr Demonstrant_innen erscheinen würden, da die Demonstration lange im Voraus angekündigt war. Nichtdestotrotz konnte die Demo viel Aufmerksamkeit erregen. Gerade weil viele wichtige Persönlichkeiten des Klimaschutzes anwesend waren, hatte die Demonstration eine hohe Aussagekraft.

Fotos: Rahel Dimmerling