Wir haben Agrarindustrie satt!

Wir haben Agrarindustrie satt!

Gestern demonstrierten nach Angaben des Wir haben es satt! Bündnisses 35.000 Menschen für eine gerechte Agrarreform und eine klimaschonende Landwirtschaft. Bereits zum neunten Mal fand die Demonstration unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!“ anlässlich der Grünen Woche in Berlin statt.

Worum ging’s?

Das Wir haben es satt! Bündnis forderte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft zu schaffen. 100 weitere Organisationen folgten dem Aufruf, darunter etwa Brot für die Welt, Bewegt Politik campact!, Greenpeace, Misereor und der Deutsche Tierschutzbund. Anlässlich der aktuellen EU-Agrarreform (GAP) forderten die Teilnehmer*innen, dass EU-Subventionen künftig gerechter verteilt werden, denn laut Kritiker*innen profitieren besonders die großen Unternehmen von EU-Geldern. So erhalten aktuell 3.300 der größten Landwirtschaftsbetriebe eine Milliarde Euro im Jahr, während sich 200.000 Kleinbauernhöfe 700 Millionen Euro jährlich teilen müssen. Die Frage ist: Was wird in der EU-Agrarreform festgelegt? Welche Landwirtschaft wird die EU künftig mit 60 Milliarden Euro jährlich unterstützen?

171 Traktoren repräsentierten Bauernhöfe aus ganz Deutschland. Die Bäuer*innen forderten politische Unterstützung für ihre Betriebe, da sich viele von ihnen durch die steigende Massenproduktion in ihrer Existenz bedroht fühlen.

Was wurde gesagt?

„Agrarwende kann jeder von uns auch selber machen. Und wie geht das? Indem man solidarische Landwirtschaft unterstützt!“, leitet eine Sprecherin des Wir haben es satt! Bündnisses den nächsten Redebeitrag ein. Einer Bäuerin, die auf einem solidarischen Hof arbeitet und das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft vertritt, betritt die Bühne: Wir sind nicht blind! Wir wissen, dass es die Agrarindustrie ist, die die Klimakrise befördert.“, beginnt sie. Sie spricht auch die Ungerechtigkeiten an, die zwischen großen Unternehmen und Kleinbauernhöfen herrschen: „Diese großen Unternehmen schaffen krasse Abhängigkeiten. Es geht nur um Profit! Ihre Arbeiter*innen bezahlen sie so schlecht, dass sie von dem Geld, was sie bekommen, nicht mehr leben können. Wir brauchen deine Solidarität! Wir brauchen eine solidarische Landwirtschaft! […] Es sind die kleinen Bauern, die die Welt ernähren. Sie produzieren ökologisch für Menschen und nicht für Märkte. […] Wir müssen dafür sorgen, dass es nach vorne kommt und dafür brauchen wir deine Solidarität!“

Alle Sprecher*innen waren sich einig. Sie forderten eine gerechtere Verteilung von EU-Geldern, konsequenten Klima- und Naturschutz, artgerechte Tierhaltung, ein Ende der Dumping-Exporte, gerechten Welthandel und gesundes Essen für alle.

Wo ging’s lang?

Ab 12 Uhr trafen sich die Teilnehmer*innen am Brandenburger Tor. Gegen 13 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung über die Behrenstraße zum Veranstaltungsort der Agrarministerkonferenz im Auswärtigen Amt (Werderscher Markt 1). Weiter ging es über Unter den Linden, um das Brandenburger Tor herum zur Straße des 17. Juni. Zurück am Brandenburger Tor fand die Abschlusskundgebung mit Essen, Reden und Musik statt.

Wie geht’s weiter?

Vom 1. bis zum 7. Februar findet die bundesweite Aktionswoche statt, während der viele Proteste gegen die Kohlekommission stattfinden. Anlass ist die Ankündigung der Kohlekommission, ihre Einigung zum Kohleausstieg am 1. Februar vorzustellen. Hier findest ihr Genaueres zu der Aktionswoche im Februar. Weitere Informationen zum Wir haben es satt! Bündnis gibt es an dieser Stelle.

Text und Fotos: Rahel Dimmerling