Krach- und Tanzdemo

Krach- und Tanzdemo
Etwa 50 Menschen haben heute gegen die Verdrängung der Jugendprojekte Potse und Drugstore aus der Potsdamer Straße 180 demonstriert. Elektronische Musik und eine Live-Band sorgten für die angemessene Lautstärke.

Worum ging’s?
Am 31. Dezember des vergangenen Jahres wurden sowohl Potse als auch Drugstore aufgefordert, ihre Räumlichkeiten und Schlüssel an den zustädnigen Jugendstadtrat Oliver Schworck zu übergeben. Das Drugstore folgte dieser Aufforderung aus Rücksicht auf andere soziale Projekte in der Stadt. Eine Sprecher*in der Potse verkündete jedoch, dass die Räume ab sofort besetzt werden.

Es folgten eine Kundgebung vor dem Gebäude am 2. Januar sowie eine Dauermahnwache, die bis dato anhält. Heute Nachmittag brachten Unterstützer*innen Instrumente und eine Anlage zum Ort des Geschehens. Es galt, erneut Aufmerksamkeit für das zu erzeugen, was in Berlin aktuell noch mehr als in den vergangenen Jahren zum Problem wird: die um sich greifende Gentrifizierung sämtlicher Kieze hin zu einer sterilen Stadt ohne Gesicht.

Was wurde gesagt?

“Wir machen heute hier die Krach- und Tanzdemo für den Erhalt linker Freiräume, nicht nur hier von Potse und Drugstore, sondern auch für das Syndikat, für die Meuterei, für die Liebig, für alle bedrohten linken Projekte”, bemerkte ein Sprecher*. “Wir wollen einfach nur Räume, wo wir uns frei entfalten können, wo wir […] ohne Hierarchien, ohne Unterdrückung, ohne Sexismus, ohne Rassismus, ohne diskriminierendes Verhalten einfach zusammen sein können. […] Es gibt gar keine Räume mehr, wo Menschen einfach unkommerziell sich treffen können, um miteinander zu sein, um Workshops zu veranstalten und einfach nur Party zu machen, nette Konzerte zu haben. Solche Räume haben wir hier in der Potsdamer Straße 180: Potse und Drugstore, das sind die ältesten selbstverwalteten Jugendzentren in Berlin.”

An anderer Stelle hieß es: “Sie schießen sich ins Knie, wenn sie denken, dass sie uns einfach räumen können. Wir haben es gesehn am Beispiel Hambacher Forst: Bei jeder Räumung, die sie versuchen, werden wir einfach nur immer mehr und die Bewegung wird immer größer und die Leute werden immer wütender. Und so wird es hier auch sein, hier in Berlin, wenn sie versuchen, uns hier die Freiräume wegzunehmen!”

Was haben musikalische Darbietung und Tanz mit Protest zu tun? Ein kleiner Exkurs: “Im Jahr 1981 gab es in Berlin über 260 besetzte Häuser. Damals ist auch die sogenannte Free-Party Kultur aufgeblüht. Nach den Anti-Tchno Gesetzen in England sind verschiedene Kollektive nach [Kontinental-] Europa geflüchtet und haben ihre Free-Party Kultur hier verbreitet. […] Diese Kultur lebt immer noch, wird aber vom kommerziellen System unterdrückt. Es wird immer schwieriger, einfach unkommerziell zu feiern und sich zu treffen und es geht darum, Räume temporär zu besetzen und als temporär freie Zonen zu schaffen. Und genau das schaffen wir hier.”

Wo ging’s lang?
Da die Demonstration thematisch sehr an das die Adresse der beiden Jugendprojekte gebunden war, fand sie ausschließlich vor dem Gebäude statt. Statt Lautsprcherwagen gab es nur Lautsprecher, dafür aber Tee, Kaffee (heiß) und Bier (kalt), auf und ab befördert zwischen Potse und Gehweg durch Seil un Eimer.

Wie geht’s weiter?

Wie die Politik auf die Standhaftigkeit der Aktivist*innen in der Potse reagiert, wird sich zeigen. Wenn du das Geschehen weiter verfolgen möchtest dann empfehlen wir dir diesen Twitter-Account.

Text und Fotos: Henry Schwietzke