NoHostel36

NoHostel36

Unter diesem Motto haben sich heute ca. 200 Demonstrant*innen an der Mariannenstraße Ecke Skalitzer Straße in Kreuzberg versammelt um gegen den Bau eines neuen Hotels ihre Stimme zu erheben, das für viele ein weiteres Symptom der Gentrifizierung und Kommerzialisierung ihres Kiezes ist.

Worum ging’s?
Der Initiativkreis „No Hostel 36“ hatte im Vorfeld zu der Kundgebung aufgerufen. Insbesondere eine bunte Mischung an Kiezbewohner*innen und Kreuzberger*innen der umliegenden Gegenden sind dem Aufruf gefolgt und haben sich in Redebeiträgen zu Wort gemeldet. Darunter waren u.a. Hausbesetzer*innen aus der Großbeerenstraße, die Gruppe Leute für die Meute und Mitglieder der Nachbarschaftsinitiative Ratiborstraße, sowie andere von Verdrängung betroffene Anwohner*innen. Seit Jahren ist die Gegend um das Kottbusser Tor aus keinem trendigen Stadtführer mehr wegzudenken: sie ist Inbegriff des verrückten und etwas schmuddeligen Flairs, für das Berlin international als Urlaubsziel geliebt wird. Dementsprechend reizvoll ist der Kiez auch für Investoren aller Art geworden, die Geld in Großprojekte stecken, welche immer schicker und teurer werden.

Was wurde gesagt?
Das große Geld hat viele Auswirkungen, zum Beispiel auf die Besitzer kleiner Geschäfte, die zusehends gegen Läden in oberer Preisklasse ausgetauscht werden. Dazu kommen steigende Gewerbemieten und Wohnmieten, die es mittlerweile fast unmöglich machen innerhalb des Kiezes ein neues Zuhause oder Geschäft zu finden, wenn das alte aufgekauft, neu vermietet oder umgewidmet wird. Das nun geplante Hotel würde aller Wahrscheinlichkeit nach zu diesen Negativtrends beitragen. Es soll bis zu 750 Betten haben, eine eigene Shopping-Mall und Parkplätze für ankommende Reisebusse. Eine der Anwohnerinnen bezeichnete dies das „Projekt aus dem unsere Albträume bestehen“ und forderte die Mitdemonstrant*innen dazu auf, dem Investor – der IDEAL Versicherung – klaren Widerstand entgegenzusetzen.

Maria Schulz von NoHostel36 sagte dazu: „Wir wollen kein neues Riesen-Hotel hier im Kiez. Wenn Kreuzberg etwas braucht, dann Wohnungen, die für alle Menschen bezahlbar sind, und günstige Gewerbeflächen, etwa für soziale Einrichtungen.“ Viele der Redner*innen zeigen sich enttäuscht von der grünen Bezirksregierung, die vor einigen Jahren, anscheinend zunächst im Geheimen, eine Baugenehmigung für das Gelände erteilte, die nicht auf die Schaffung von Wohnraum bezogen ist. Vielmehr wird damit ein privater Konzern unterstützt und dessen Sicherungsvermögen erhöht:  „damit schaffte es die Versicherung, besonders gute Konditionen für ihre Versicherungsprodukte herauszuschlagen“, sagt eine Anwohnerin.

Wo ging’s lang?
Die Kundgebung fand direkt am Rande des Baugeländes statt, auf dem das Projekt verwirklicht werden soll. Nachdem die Teilnehmer*innenzahl schnell die 50er-Marke überstieg, wurde die angrenzende Straße erst von den Demonstrant*innen und schließlich auch von der Polizei abgesperrt.

Wie geht’s weiter?
Immer wieder wurde auf die bereits erzielten Erfolge im Zusammenhang mit dem verhinderten Google-Campus am Paul-Lincke-Ufer hingewiesen, die gezeigt haben, dass Widerstand gegen Großinvestoren erfolgreich sein kann. Es besteht also Hoffnung! 

Wer möchte ist herzlich eingeladen, sich NoHostel36 anzuschließen. Der Initiativkreis trifft sich jeden Mittwoch um 20 Uhr im Kiezladen MaHalle. Weitere Informationen findet ihr auf der Website des Kreises.

Text: Juliane Klaura
Fotos: Henry Schwietzke