Antirassistischer Gedenkmarsch

Antirassistischer Gedenkmarsch
Etwa 150 Menschen trafen sich heute auf der Wilhelmstraße, um den „afrikanischen Opfern von Versklavung, Menschenhandel, Kolonialismus und rassistischer Gewalt“ zu gedenken.

Worum ging’s?
Das Komitee für ein afrikanisches Denkmal in Berlin (KADIB) rief zum 13. Gedenkmarsch in Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Menschenhandel, Kolonialismus und rassistischer Gewalt mit der Forderung auf, dass Verbrechen gegen Schwarze Menschen und Menschen afrikanischer Herkunft anerkannt werden.

KADIB hat als Datum den letzten Samstag im Februar gewählt, da die Kongokonferenz, in der Afrika unter den Kolonialmächten aufgeteilt wurde, am 26. Februar 1885 endete. In Berlin gibt es zahlreiche Straßen, die nach Kolonialverbrechern benannt wurden. Weiterhin gibt es keine Gedenkstätte für die afrikanischen Opfer (mehr als 30 Millionen) von Versklavung und Kolonisierung. Sowohl KADIB als auch die Mitveranstalter*innen des Gedenkmarsches fordern die Errichtung eines zentralen Denkmals. Unter den Veranstalter*innen befanden sich unter anderen der Afrikanischer Dachverband, die African/Black Community, Berlin Postkolonial, Black Nation Germany und der Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland.

Was wurde gesagt?
Die Veranstaltung fing mit einem Redebeitrag von Moctar Kamara vom Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland an. Er stellte die angereisten Teilnehmr*innen aus England, Frankreich und Brasilien vor und begrüßte alle Anwesenden. Kamara sprach von dem Generationswechsel innerhalb der Bewegung und appellierte an alle, weiterzukämpfen.

Kurz vor 12 Uhr wurde ein Kranz an der Gedenktafel der Aufteilung Afrikas in der Wilhelmstaße 92 niedergelegt. Dabei spielte die Nationalhymne Afrikas (Nkosi Sikelel’ iAfrika).

Anschließend übernahm der Koordinator des Pan-African Federalist Movement aus England das Wort. Er erklärte, dieser Tag sei ein Wendepunkt für alle Afrikaner*innen, da das Schicksal von Afrika in der Kongokonferenz von 14 Staaten bestimmt wurde: jetzt bestünde der Kontinent aus 55 Nationalstaaten, die nach ihm als gescheitert gelten. Keiner habe die Absicht, im Sinne der eigenen Leute zu arbeiten; die Regelung von Wohnverhältnissen und Ausbildung scheitere in Afrika. Er betonte, dass 134 Jahre Ausbeutung mehr als genug seien und die einzige Lösung ein vereinigtes Afrika mit einem Staat und einem Präsidenten sei.

Nach Kamara wurde die Geschichtsschreibung verfälscht. Sie lege nahe, dass Afrikaner*innen keine Menschen sind. Er fordert, dass Politiker*innen die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der Versklavung und Kolonisierung ernst nehmen und nicht nur aus Kalkül Interesse zeigen. 30.000.000 Menschen starben wegen der Kolonialherrschaft und Versklavung, aber „man tut, als wäre nichts passiert“.

Auf der M*straße kam der Marsch zu einem Halt, als von einem weiteren Redner die Dringlichkeit einer Umbenennung der Straße betont wurde. Ihr derzeitiger Name müsse nicht nur als ein bloßer Begriff oder Aspekt der Vergangenheit bewertet werden, vielmehr entfalte dieses Wort nach wie vor seine rassistischen Wirkungen. Als möglicher Name wurde Anton Wilhelm Amo, der erste bekannte Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland, vorgeschlagen.

Wo ging’s lang?
Die Demoroute verlief von der Wilhelmstraße 92 zum Auswärtigen Amt und endete schließlich im Lustgarten vor dem Humboldt-Forum.

Wie geht’s weiter?
Weitere Infos findest du auf der Facebookseite des Komitees für die Errichtung eines afrikanischen Denkmals in Berlin.

Text: Can Filiz
Fotos: Henry Schwietzke