Demo zum Frauen*kampftag

Demo zum Frauen*kampftag
Anlässlich des internationalen Frauen*kampftages kamen heute 20.000 Menschen in Berlin zusammen, um für die Rechte von Frauen* zu protestieren.

Worum ging’s?
Gründe für die verschiedenen vom Frauen*streik Komitee organisierten Aktionen an diesem Tag gab es unzählige. Neben der großen Demonstration um 14 Uhr gab es um fünf vor zwölf an verschiedenen Stellen in der Stadt sogenannte Sit-ins, die Hausarbeit wurde bestreikt und um 17 Uhr gab es weltweit einen einminütigen, kollektiven Schrei der Empörung, Wut und Entschlossenheit. Außerdem fand in Lichtenberg eine weitere Demonstration statt. Die überwiegend von Frauen* getragene, (schlecht) bezahlte und unbezahlte Pflegearbeit – meist unter haarsträubenden Bedingungen – stand im Vordergrund. Auch die immer noch nicht aus dem Strafgesetzbuch gestrichenen Paragraphen 218 und 219a, welche Schwangerschaftsabbrüche an einem bestimmten Zeitpunkt unter Strafe stellen und die Informationsverbreitung zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren, wurden angeprangert.

Verschiedenste Organisationen folgten dem Aufruf zum Streik und zur Demonstration. Dabei waren unter anderem das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, das Bündnis Stop Homophobia, die Pankower Frauen gegen Rechts, Verdi, die GEW, Linksjugend Solid, DIE LINKE, SPD und Jusos, die Grünen, die CHP Berlin (republikanische Volkspartei aus der Türkei), die MLPD, der Funke, der Bundesverband der Migrantinnen, die FAU, der HVD und die Feministische Partei.

Was wurde gesagt?
„Wir sehen an vielen Orten, nicht nur in Deutschland, dass die Uhren zurückgedreht werden sollen (…)“, sagte ein Mitglied des Frauen*streik Komitees. Weltweit befinden sich populistische Parteien und autoritäre Regierungen im Aufschwung, die unseren bereits erzielten Fortschritt in vielerlei Hinsicht bedrohen.

Bei der Auftaktkundgebung kamen Rednerinnen aus Brasilien und dem Sudan zu Wort, die den Anwesenden von der aktuellen Situation für Frauen* in ihren Heimatländern berichteten. Im Sudan herrschen seit Jahrzehnten Krieg und Vertreibung. Davon sind Frauen besonders stark betroffen, die unter prekärsten Bedingungen bemüht sind, das Überleben ihrer Familien zu sichern.

In Brasilien kam es 2016 zu einer Amtsenthebung der Präsidentin Dilma Rousseff. Darauf folgte in diesem Jahr die Ernennung von Jair Bolsonaro, mit verheerenden Konsequenzen: Berichtet wurde von unzähligen Vergewaltigungen und Femiziden, von denen schwarze Frauen viel stärker betroffen sind, als andere. Auch Queere und Transgender werden getötet, die Regierung schweigt zu all dem. „Diese Regierung vertritt uns nicht!“, hieß es dementsprechend von einer Rednerin.

Auch wir Berliner*innen sollten uns Gedanken zu der Situation von Frauen* in anderen Ländern machen. Schließlich unterstützte etwa die Deutsche Bank mit einem öffentlichen Statement Bolsonaro als „den Wunschkandidaten der Märkte“ und leistete damit einen skandalösen Beitrag zu seiner Akzeptanz, insbesondere unter Vertreter*innen der Wirtschaft. Zudem erinnern die Berichte aus Brasilien daran, dass der Kampf um Gleichberechtigung mitnichten ein risikofreies Unterfangen darstellt – unzählige Menschen, vor allem Frauen*, fielen und fallen ihm zum Opfer.

Im anschließenden Redebeitag rief eine Vertreterin des Frauen*streik Komitees nicht nur deshalb zu Solidarität und Zusammenhalt auf: „Die Kritik an den verschiedenen Ausprägungen des Feminismus ist so alt wie der Feminismus selbst.“ Umso wichtiger sei es, sich nicht in Grabenkämpfen um den „besten“ Feminismus zu verlieren, sondern gemeinsam füreinander einzustehen. Gleiches gelte im Angesicht der in Deutschland aufgekommenen „selbsternannten Alternative für Deutschland“, die das Feld des Feminismus auf ihre Weise zu beackern versuche. Das dort vorherrschende Bild: die weiße Frau als Partnerin weißer Männer, zum Zeugen weißer Kinder.

Wo ging’s lang?
Die Demo begann am Alexanderplatz, wo sie ganze zwei Stunden verharrte – die Polizei hinderte die Demospitze lange Zeit daran, loszulaufen. Dann verlief die Route über die Alexanderstraße und die Jannowitzbrücke, über die Prinzenstraße und zum Kottbusser Tor. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Oranienplatz statt.

Wie geht’s weiter?
An verschiedenen Orten in ganz Deutschland finden im Verlauf der kommenden Woche Aktionen statt, darunter etwa Solipartys und Filmabende. Detaillierte Informationen findet ihr auf der Website des Frauen*streik Komitees.

Text: Juliane Klaura
Fotos: Henry Schwietzke