Unsere Häuser, unsere Kieze

Unsere Häuser, unsere Kieze
Zwangsräumungen, explodierende Mietkosten und Behördenwillkür – Gründe, um auf die Straßen zu gehen, gibt es für Berliner Mieter*innen viele. Unter dem Motto „Unsere Häuser, unsere Kieze“ rief am 30. April das Kiezbündnis Hände weg vom Wedding zum Protestmarsch durch den Stadtteil auf. Über tausend Menschen folgten dem Aufruf und demonstrierten ab 17 Uhr friedlich.

Worum ging’s?

Mehr als 3.000 Zwangsräumungen werden in Berlin jährlich durchgeführt. Die immer schneller steigenden Mieten können sich viele Berliner*innen bei gleichbleibenden Löhnen nicht leisten. Fügen sich die Vertriebenen den Kündigungen oder steigen aus dem Mietvertrag aus, folgt meist ein Umzug ins Stadtrandgebiet; Besserverdienende zahlen den hohen Mietpreis gern für Wohnen in Bestlage. Das Problem liege auch bei der linken Berliner Regierung, ist das Bündnis Hände weg vom Wedding überzeugt. „Rot-rot-grün vermarktet Berlin als Kapitalstandort“, so eine Sprecherin der Initiative. Wohnungen dienten da nur zur Erwirtschaftung von Profiten, „Wohnraum wird als Ware gehandhabt“ und produziere so täglich Angst um die eigene Existenzgrundlage.

„Unsere Häuser, unsere Kieze“ versteht sich daher als Vertretung aller Unterdrückten, die sich aus ihrem Lebensumfeld verdrängt fühlen, aber auch tagtäglich Rassismus, Gewalt und Schikanen von Ämtern und Jobcentern erleiden müssen. „Die Situation heute ist von Menschen gemacht und kann auch von uns geändert werden“, heißt es vonseiten der Initiatoren. Angesprochen fühlte sich daher eine bunte Menge; unter den Teilnehmer*innen fanden sich einige Familien mit Kindern. Auch in den Redebeiträgen spiegelte sich diese Vielfalt wider.

Was wurde gesagt?

Hände weg vom Wedding solidarisierte sich mit etlichen weiteren Wohnprojekten. So berichtete etwa die Neuköllner Kiezkneipe Syndikat vom Widerstand gegen die Räumungsklage, die Hausbesetzer aus der Großbeerenstraße G17A sagten dem Ausverkauf der Stadt den Kampf an und die Dubliner8-WG prangerte die juristischen Tricks ihrer Vermieter an, mit Hilfe derer sie aus der Wohnung geklagt werden sollen.

Einen Gastauftritt hatten zudem die Bewohner der Amsterdamer Str. 65, deren Haus vor einiger Zeit verkauft werden sollte. Nach anderthalb Jahren Widerstand konnten sie Erfolge verzeichnen – die Amma65 ging in den Besitz der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land über. Und mit ihr acht weitere Häuser, deren Zukunft ungewiss war. Für Sandrine Woinzeck die Bestätigung, dass sich Widerstand auszahlt. „Mit unserem Engagement haben wir dazu beigetragen, dass auch andere Wohnungen aus der Spekulationsgefahr sind“, so die Sprecherin von Amma65.

Auch Initiativen jenseits der Mietthematik wie Autonome Antifaschist*innen, die Berliner Obdachlosenhilfe oder BASTA! Erwerbsloseninitiative Berlin lieferten Gastbeiträge. Schließlich hingen alle großen sozialen Themen irgendwie zusammen, so die Sprecher von Rheinmetall entwaffnen. „Mit deutschen Waffen werden Kriege geführt, vor denen Menschen dann fliehen. Und Geflüchtete haben es in Berlin besonders schwer, eine Wohnung zu finden.“

Wo ging’s lang?

Nach einer kleinen Runde durch die Seitenstraßen rund um den Leopoldplatz verlief die Demo weiter durch den Brüsseler Kiez, an der Beuth Hochschule für Technik vorbei, und durch das Afrikanische Viertel, um am U-Bahnhof Rehberge um kurz vor 20 Uhr zu enden.

Wie geht’s weiter?

Mit etlichen Veranstaltungen zum 1. Mai ist der heutige Demo-Kalender erst einmal gut bestückt. Wer sich für Weddinger Widerstand gegen Verdrängungspolitik interessiert, kann zudem am 3. Mai um 20.30 Uhr den Tresen zum Thema „Wie funktioniert Hände weg vom Wedding“ im Café Cralle besuchen.

Hier der wichtigste Link.

Text und Fotos: Julia Hubernagel