Soziale Bewegungen

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Definition

Eine Soziale Bewegung entsteht, wenn Menschen sich nicht einmalig, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg geschlossen auftreten, um Veränderungen in der Gesellschaft zu beschleunigen, zu verhindern oder umzukehren.

Beispiele sind:

Innerhalb einer Sozialen Bewegung gibt es oft eine sogenannte Bewegungsorganisation. Sie entwickelt Strategien für den Erfolg der Bewegung und stellt Ressourcen (z.B. Zeit und Geld) bereit. Soziale Bewegungen sind jedoch nie identisch mit einer Bewegungsorganisation. Die Bewegung an sich hat keine Mitglieder, sondern muss sich fortlaufend darum bemühen, Menschen für ihr Anliegen zu mobilisieren.

Social Media

Soziale Medien spielen eine besondere Rolle bei der Mobilisierung von Menschen für ein bestimmtes Anliegen. Sie ermöglichen Berichterstattung in Echtzeit und sind über Apps ständig und von überall aus abrufbar. Auf diese Weise sind z.B. Veranstalter*innen einer Demonstration in der Lage, das örtliche Geschehen per Live-Ticker weit über die Grenzen einer Stadt oder eines Landes hinaus zu verbreiten.

Außerdem fallen für die Nutzung digitaler Kanäle weit weniger Kosten an, als dies bei Plakaten oder Flyern der Fall ist. Mit relativ geringem Zeitaufwand und ohne große Investitionen in Druckerzeugnisse können sogar Einzelpersonen etwa durch die Prägung eines Hashtags (#) imense Reichweiten erzielen.

Zum Beispiel der #MeToo auf Twitter.

Allerdings ist es kein Geheimnis, dass sich in Sozialen Netzwerken schnell sogenannte Filterblasen herausbilden. Webseiten versuchen mit Hilfe von Algorithmen vorherzusagen, welche Informationen jede*r einzelne Nutzer*in vorfinden möchte. Dies kann dazu führen, dass nur noch Informationen angezeigt werden, die eine bestimmte Person bevorzugt. Informationen, die nicht zur Meinung eines Menschen passen, werden ausgeblendet – auch dann, wenn dieser Mensch das nicht explizit möchte.

Zum Weiterlesen empfehle ich dir einen Beitrag zum Thema „Mobilisieren in Zeiten von Social Media„, der bei netzpolitik.org erschienen ist.

Soziologie

Soziolog*innen nutzen momentan vor allem die folgenden vier Ansätze, um Soziale Bewegungen theoretisch zu erfassen:

  1. Kollektive Identität
    Eine Soziale Bewegung ist darauf angewiesen, zwischen einem ‚wir‘ und einem ‚die‘ zu unterscheiden. Sie muss mit Hilfe gemeinsamer Rituale, Symbole und Ähnlichem dafür sorgen, dass unter ihren Anhänger*innen eine kollektive Identität entsteht. Dieses Wir-Gefühl ist nötig, damit die Bewegung handlungsfähig bleibt.

    Mehr Informationen findest du im Wikipedia-Abschnitt zum Thema „Collective-Identity-Ansatz„.
  2. Gelegenheitsstrukturen
    Die Entstehung Sozialer Bewegungen ist von Umweltbedingungen abhängig. Ein politisches System, das sehr offen ist, greift Forderungen der Bevölkerung so gut auf, dass kaum Anlass für Protest besteht. Ein System, das sehr geschlossen ist, unterdrückt Proteste erfolgreich (z.B. durch starke Repressionen). Das Aufkommen Sozialer Bewegungen ist am wahrscheinlichsten, wenn das politische System weder zu offen, noch zu geschlossen ist.

    Mehr Informationen findest du im Wikipedia-Abschnitt zum Thema „Political-Opportunity-Ansatz„.
  3. Framing
    Der Erfolg einer Bewegung hängt davon ab, in welchem Maß es den Initiator*innen gelingt, die Dringlichkeit eines Themas herauszustellen und es glaubhaft zu interpretieren . Diese Interpretation muss in der Öffentlichkeit durchgesetzt werden.

    Mehr Informationen findest du im Wikipedia-Abschnitt zum Thema „Framing-Ansatz„.
  4. Ressourcenmobilisierung
    Im Zentrum dieses Ansatzes sthet die Bewegungsorganisation. Sie ist gezwungen, rational vorzugehen, also mit den verfügbaren Ressourcen (z.B. Geld und Personal) die Ziele der Bewegung als Ganzes durchzusetzen.

    Mehr Informationen findest du im Wikipedia-Abschnitt zum Thema „Ressourcenmobilisierungsansatz„.

Bei spree demo gibt es übrigens eine Liste zivilgsellschaftlicher Organisationen. Einige von ihnen sind auch Bewegungsorganisationen. Schau mal vorbei! 🙂

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